{"id":4819,"date":"2021-03-07T18:36:46","date_gmt":"2021-03-07T17:36:46","guid":{"rendered":"http:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/?page_id=4819"},"modified":"2021-05-02T20:42:37","modified_gmt":"2021-05-02T18:42:37","slug":"judenhaus-ludwigstrasse-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/rundgang\/judenhaus-ludwigstrasse-3\/","title":{"rendered":"\u201eJudenhaus\u201c &#8211; Ludwigstra\u00dfe 3"},"content":{"rendered":"\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Dieses Haus war eines von sch\u00e4tzungsweise 42 bis 53 sogenannten \u201eJudenh\u00e4usern\u201c in Wiesbaden. Dabei handelte es sich meist um Immobilien, welche j\u00fcdischst\u00e4mmigen Besitzer*innen durch Enteignung genommen wurden. Anschlie\u00dfend wurden von den Nazis als \u201eJuden\u201c Verfolgte in diese H\u00e4user zwangsumgesiedelt. Sie lebten in diesen H\u00e4usern unter engsten Bedingungen bis zu ihrer Deportation. Der Zweck solcher H\u00e4user war es, die Kontrolle \u00fcber die j\u00fcdischen Einwohner:innen zu erleichtern und gleichzeitig andernorts Wohnraum f\u00fcr Nichtj\u00fcd:innen zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die rechtliche Grundlage hierf\u00fcr wurde 1939 mit dem Gesetz \u00fcber die \u201eMietverh\u00e4ltnisse mit Juden\u201c geschaffen. Die r\u00e4umliche Ballung erm\u00f6glichte ein hohes Ma\u00df von \u00dcberwachung durch die Gestapo, also die \u201egeheime Staatspolizei\u201c, und weitere Repression, so zum Beispiel Ausgehverbote und das Verbot von Radios.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieses spezifische Haus musste 1940 unter anderem die Familie Stock ziehen. Zu diesem Zeitpunkt war das \u201eJudenhaus\u201c bereits so \u00fcberf\u00fcllt, dass die Familie im Ger\u00e4teschuppen im Hof hausen musste. Aufgrund ihrer j\u00fcdischen Abstammung war den Geschwistern Josef und Rosel, zu diesem Zeitpunkt 6 und 3 Jahre alt, der Besuch von Kindergarten und Schule verboten. Weiter hei\u00dft es im Erinnerungsblatt der Spiegelgasse \u00fcber sie:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><em>\u201eMit der Deportation am 10. Juni 1942 wurden Josef und Rosel Stock zusammen mit ihren Eltern \u201enach dem Osten evakuiert\u201c, wie auf der Karteikarte vermerkt wurde. Der Transport f\u00fchrte \u00fcber Frankfurt und von dort mit mehr als 1000 Menschen nach Lublin. Dort wurden \u00fcber 100 arbeitsf\u00e4hige M\u00e4nner, darunter auch James Stock, zun\u00e4chst f\u00fcr einige Wochen zu Schwerstarbeit ausgesondert, bevor man sie in Majdanek 6 ermordete. Josef und Rosel Stock wurden mit ihrer Mutter direkt nach Sobibor weitertransportiert und dort im Gas ermordet.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>In ihrer Geschichte spiegelt sich die Grausamkeit der NS-Verfolgungsideologie wider, die auch vor Kindern keinen Halt machte. An diese Opfergruppe soll stellvertretend der Geschwister-Stock-Platz mit einer Stehle in der Bahnhofsstra\u00dfe erinnern. Die Umbenennung des Platzes fand erst 1995 statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Wiesbaden wurden mindestens 40 j\u00fcdische M\u00e4dchen und Jungen unter 14 Jahren in den industriellen Massenmord deportiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Deportationen fanden nicht isoliert statt, sondern waren eingebettet in gesellschaftliche, politische und rechtliche Strukturen. Die ideologische Grundlegung und t\u00f6dliche Umsetzung der nationalsozialistischen sogenannten \u201eRassenpolitik\u201c wurde auch an vielen anderen Orten in Wiesbaden vorbereitet, verwaltet und ma\u00dfgeblich vorangetrieben. Ein Teil dieses Verfolgungssystems war auch die sogenannte \u201eEuthanasie\u201c, also die Ermordung der von den Nazis als \u201eminderwertig\u201c bezeichneten Menschen. Auf dieses Thema wird an den Stationen, dem ehemaligen \u201eAmt f\u00fcr Erb- und Rassenpflege\u201c und heutigen Landeshaus und den \u201eSt\u00e4dtischen Kliniken\u201c in der Schwalbacherstra\u00dfe 72-74, n\u00e4her eingegangen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Audioerkl\u00e4rung zur Stadtrundgangsstation &#8222;&#8218;Judenhaus&#8216; &#8211; Ludwigstra\u00dfe 3&#8220;:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"http:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/11\/Judenhaus_Ludwigstr_3_final.mp3\"><\/audio><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Haus war eines von sch\u00e4tzungsweise 42 bis 53 sogenannten \u201eJudenh\u00e4usern\u201c in Wiesbaden. Dabei handelte es sich meist um Immobilien, welche j\u00fcdischst\u00e4mmigen Besitzer*innen durch Enteignung genommen wurden. Anschlie\u00dfend wurden von den Nazis als \u201eJuden\u201c Verfolgte in diese H\u00e4user zwangsumgesiedelt. 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