{"id":4813,"date":"2021-03-07T18:30:45","date_gmt":"2021-03-07T17:30:45","guid":{"rendered":"http:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/?page_id=4813"},"modified":"2021-05-02T18:43:06","modified_gmt":"2021-05-02T16:43:06","slug":"kleine-synagoge-friedrichstr-33","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/rundgang\/kleine-synagoge-friedrichstr-33\/","title":{"rendered":"Kleine Synagoge &#8211; Friedrichstr. 33"},"content":{"rendered":"\n<p>Die heutige j\u00fcdische Gemeinde wurde 1946 neu gegr\u00fcndet, obwohl nur etwa ein Dutzend \u00dcberlebende der fr\u00fcheren Gemeinde zur\u00fcckkehrten. Vor dem Nationalsozialismus befand sich hier im Hinterhaus der Friedrichstr. 33 die kleine orthodoxe Synagoge.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/05\/Synagoge-Friedrichstr.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4965\" width=\"400\" height=\"570\"\/><figcaption><em>Foto der kleinen, orthodoxen Synagoge in der Friedrichstra\u00dfe.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der antisemitische Mob verw\u00fcstete w\u00e4hrend der Novemberpogrome 1938, der sogenannten \u201eReichspogromnacht\u201c, die Inneneinrichtung. <em>Diese<\/em> Synagoge wurde zwar, im Gegensatz zu der gr\u00f6\u00dferen am Michelsberg, nicht angez\u00fcndet, aber dies nur aus Angst um die umliegenden Wohnh\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Hof vor dieser Synagoge mussten sich im Jahr 1942 mehrmals j\u00fcdische Wiesbadener:innen vor ihrer Deportation in die \u00f6stlichen Vernichtungslager sammeln (ebenso wie \u00fcbrigens auch die Wiesbadener Sinti und Sintize, Roma und Romnja). Im August 1942 hielt die traditionsreiche j\u00fcdische Gemeinde hier ihren letzten Gottesdienst ab. Noch im selben Monat mussten sich ca. 370 j\u00fcdische Menschen am Vorabend der letzten gro\u00dfen Deportation im Hof zur Registrierung einfinden, mit Gep\u00e4ck und einem Schild mit ihren Personalien um den Hals geh\u00e4ngt, wie man auf diesem Bild sehen kann:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/05\/Hof-der-kleinen-Synagoge-1024x690.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4967\" width=\"500\" height=\"333\"\/><figcaption><em>Der Hof vor der kleinen Synagoge wurde nicht nur am 01. Septemper 1942 als Registrierungsstelle zur Deportation missbraucht.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine dieser Personen war Mathilde Baum (geboren 1874). 14 Tage vor ihrer Deportation schrieb sie noch einen Brief an den bereits ins Ausland geflohenen Verwandten Paul Kester. In diesem Brief hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><em>\u201eNun stehen wir alle auch davor, es k\u00f6nnen 8, 10, 14, 20 Tage dar\u00fcber hingehen, [\u2026] aber jeder Tag, der so noch gut rumgeht, ist uns auch recht. Wir halten unseren Haushalt bis zur letzten Minute in gewohnter Weise aufrecht. Wir haben lange gute Tage gehabt und alle Bequemlichkeiten [\u2026]. Es wird auch mal anders gehen, Hauptsache, wir bleiben alle gesund. Unserer Nachbarschaft [\u2026] f\u00e4llt es schwer, sich von ihren Brocken zu trennen. Es tut mir nur leid, dass ich euch fr\u00fcher schimpfte, wenn ihr die F\u00fc\u00dfe auf die guten St\u00fchle gestellt habt. Dies war alles f\u00fcr die Katz. An all dem Kram h\u00e4nge ich nicht mehr [\u2026]. Wir sind guten Mutes, in der festen Hoffnung unsere Lieben wiederzusehen [\u2026]. Wir sind ruhig und hoffen, das uns auferlegte Schicksal alle tragen zu k\u00f6nnen. Alles geht mal vor\u00fcber [\u2026].\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mathilde Baum kehrte nicht zur\u00fcck, ebenso wie ein Gro\u00dfteil ihrer Familie. Die Nacht vor ihrer Deportation verbrachte sie gemeinsam mit den weiteren J\u00fcdinnen und Juden in der demolierten Synagoge. Am n\u00e4chsten Tag, dem 1. September 1942, wurden sie dann zu Fu\u00df durch die Bahnhofstra\u00dfe bis zur Verladerampe am Schlachthof getrieben. Mathilde wurde nach Theresienstadt gebracht und 1944 in Auschwitz ermordet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Strecke an der Bahnhofstra\u00dfe f\u00fchrt mitten durch die Stadt. Auch hieran wird deutlich, dass die Wiesbadener Bev\u00f6lkerung die nationalsozialistische Verfolgung und Deportation aus ihrer Mitte offensichtlich direkt mitbekam. Gr\u00f6\u00dftenteils verschlossen sie die Augen davor, profitierten etwa von den Enteignungen j\u00fcdischer Wohnh\u00e4user oder waren aktive Mitt\u00e4ter:innen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Audioerkl\u00e4rung zur Stadtrundgangsstation &#8222;Kleine Synagoge&#8220;:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"http:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/11\/9._kleine_Synagoge_final.mp3\"><\/audio><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die heutige j\u00fcdische Gemeinde wurde 1946 neu gegr\u00fcndet, obwohl nur etwa ein Dutzend \u00dcberlebende der fr\u00fcheren Gemeinde zur\u00fcckkehrten. Vor dem Nationalsozialismus befand sich hier im Hinterhaus der Friedrichstr. 33 die kleine orthodoxe Synagoge. 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