{"id":46,"date":"2016-07-16T18:39:17","date_gmt":"2016-07-16T16:39:17","guid":{"rendered":"http:\/\/rundgang.ki-wi.mobi\/?page_id=46"},"modified":"2021-05-02T20:47:56","modified_gmt":"2021-05-02T18:47:56","slug":"3_3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/rundgang\/3_3\/","title":{"rendered":"Mahnmal Wiesbadener Sinti und Roma &#8211; Bahnhofstra\u00dfe \/ Geschwister-Stock-Platz"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Mahnmal in der Bahnhofstra\u00dfe gedenkt der Sinti und Sintize sowie der Roma und Romnja aus Wiesbaden, die als sogenannte \u201eZigeuner\u201c kategorisiert und deshalb Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsideologie wurden. Bereits seit 1940 f\u00fchrte die Wiesbadener Kriminalpolizei sie auf einer sogenannten \u201eZigeunerliste\u201c. Am 27. Januar 1943 wurden \u00fcber 100 von ihnen zun\u00e4chst in der ehemaligen Synagoge in der Friedrichstra\u00dfe gesammelt, eine weitere Station dieses Rundgangs. Von dort aus wurden sie zum Bahnhof gebracht, um dann in das sogenannte \u201eZigeuner-Familienlager\u201c nach Auschwitz-Birkenau deportiert zu werden. Insgesamt sind sch\u00e4tzungsweise ein F\u00fcnftel der Wiesbadener Sinti und Sintize, Roma und Romnja durch den nationalsozialistischen V\u00f6lkermord ums Leben gekommen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/05\/Mahnmal-a-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4985\" width=\"400\" height=\"272\"\/><figcaption><em>Das &#8222;Mahnmal f\u00fcr die deportierten und ermordeten Wiesbadener Sinti und Roma&#8220; in der Bahnhofstra\u00dfe<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sie wurden von den Nazis als sogenannte \u201eau\u00dfereurop\u00e4ische Fremdrasse\u201c und angebliche \u201eAsoziale\u201c verfolgt. Seit 1935 wurde ihnen die Eheschlie\u00dfung mit als \u201earisch\u201c eingestuften Partner:innen verboten. 1942 wurde ihre systematische Ermordung als \u201eVernichtung durch Arbeit\u201c angeordnet. Das hei\u00dft: Sie sollten alle deportiert und durch Zwangsarbeit oder in den Gaskammern ermordet werden. Au\u00dferdem wurden sie f\u00fcr medizinische Experimente missbraucht, die sie h\u00e4ufig das Leben kosteten. Sch\u00e4tzungsweise \u00fcberlebte etwa ein Sechstel der 30.000 Sinti und Sintize, Roma und Romnja, die zumeist deutsche Staatsb\u00fcrger:innen waren. Die Zahl der Opfer aus ganz Europa betr\u00e4gt etwa eine halbe Million.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie waren zudem eine der NS-Opfergruppen, die lange und heftig um die Anerkennung ihres Leidens k\u00e4mpfen mussten. Sie wurden auch nach Kriegsende weiterhin diskriminiert. So wurden sie beispielsweise in einer \u201eLandfahrerkartei\u201c gef\u00fchrt. Und auch die sogenannten \u201eerbbiologischen Forschungen\u201c wurden teilweise noch nach 1945 in der Bundesrepublik weitergef\u00fchrt. Entsch\u00e4digungszahlungen wurden dieser Opfergruppe h\u00e4ufig verwehrt, da ihre Verfolgung angeblich nicht rassistisch motiviert, sondern eine Verfolgung von Straff\u00e4lligen gewesen sei. Auch die Errichtung des Wiesbadener Mahnmals musste erst in heftigen politischen K\u00e4mpfen durchgesetzt werden, bevor sie am 21. Mai 1992 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass solche Prozesse erst sehr sp\u00e4t und meist nur durch harte politische K\u00e4mpfe von \u00dcberlebenden und Opferverb\u00e4nden in Gang kamen, zeigt eindr\u00fccklich, dass das Projekt der \u201eEntnazifizierung\u201c und des menschlichen Wiederaufbaus im Nachkriegsdeutschland kaum ernsthaft angegangen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/05\/Geschwister-Stock-Textb-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4987\" width=\"400\" height=\"528\"\/><figcaption><em>Testseite der Infotafel am Geschwister-Stock-Platz<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens wurde der Geschwister-Stock-Platz, der sich hier ein St\u00fcck die Bahnhofstra\u00dfe hoch befindet, nach zwei j\u00fcdischen Kindern benannt.&nbsp; Die Umbenennung des Platzes fand allerdings auch erst 1995 statt. Die Geschwister Josef und Rosl Stock wurden 1942 im Alter von sieben und vier Jahren zusammen mit ihren Eltern deportiert und im KZ Sobibor ermordet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Audioerkl\u00e4rung zur Stadtrundgangsstation &#8222;Mahnmal f\u00fcr die deportierten und ermordeten Wiesbadener Sinti und Roma&#8220;:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"http:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/11\/8._Mahnmal_Sinti_und_Roma_final.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.am-spiegelgasse.de\/wp-content\/downloads\/Falter_2013-08-03-Gedenkstunde-Sinti.pdf\">http:\/\/www.am-spiegelgasse.de\/wp-content\/downloads\/Falter_2013-08-03-Gedenkstunde-Sinti.pdf<\/a>, abgerufen am 18.07.2016.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.wiesbaden.de\/kultur\/stadtgeschichte\/gedenkorte\/mahnmal-sinti-roma.php\">http:\/\/www.wiesbaden.de\/kultur\/stadtgeschichte\/gedenkorte\/mahnmal-sinti-roma.php<\/a>, abgerufen am 18.07.2016.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.am-spiegelgasse.de\/willkommen-in-der-spiegelgasse\/geschichte-und-erinnerung\/historische-orte\/\">http:\/\/www.am-spiegelgasse.de\/willkommen-in-der-spiegelgasse\/geschichte-und-erinnerung\/historische-orte\/<\/a>, abgerufen am 18.07.2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Mahnmal in der Bahnhofstra\u00dfe gedenkt der Sinti und Sintize sowie der Roma und Romnja aus Wiesbaden, die als sogenannte \u201eZigeuner\u201c kategorisiert und deshalb Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsideologie wurden. 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