{"id":23,"date":"2016-07-16T16:39:07","date_gmt":"2016-07-16T14:39:07","guid":{"rendered":"http:\/\/rundgang.ki-wi.mobi\/?page_id=23"},"modified":"2021-05-02T16:14:44","modified_gmt":"2021-05-02T14:14:44","slug":"1_2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/rundgang\/1_2\/","title":{"rendered":"St\u00e4dtische Kliniken &#8211; Schwalbacher Str. 72-74"},"content":{"rendered":"\n<p>Auch die St\u00e4dtischen Kliniken in der Schwalbacher Stra\u00dfe waren w\u00e4hrend der NS-Zeit Teil der Durchf\u00fchrung der sogenannten \u201eRassehygiene\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/05\/Staedtische-Kliniken.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4935\" width=\"500\" height=\"380\"\/><figcaption><em>Die ehemaligen St\u00e4dtischen Kliniken in Wiesbaden.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Kliniken waren eine der lizensierten Anstalten, die Zwangssterilisationen durchf\u00fchrten. Hierf\u00fcr wurden unz\u00e4hlige M\u00e4nner und Frauen, die aus Sicht der Nazi-Ideologie nicht \u00fcber eine vermeintlich \u201egesunde\u201c und \u201e\u00fcberlegene\u201c Erbanlage verf\u00fcgten, zwangsweise operiert und damit zeugungsunf\u00e4hig gemacht. Die Zwangssterilisationen wurden durch das am 14. Juli 1933 erlassene \u201eGesetz zur Verh\u00fctung erbkranken Nachwuchses\u201c geregelt. Sie k\u00f6nnen in ihrer Logik als eine Art Vorstufe zur \u201eEuthanasie\u201c verstanden werden, wie sie etwa in Hadamar umgesetzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>In Wiesbaden sind mindestens 800 F\u00e4lle von Zwangssterilisation dokumentiert. In den Akten werden h\u00e4ufig Gr\u00fcnde angegeben wie vermeintlicher \u201eangeborener Schwachsinn\u201c, Schizophrenie und Epilepsie. Aber auch Menschen, die nicht aus angeblich medizinischen Gr\u00fcnden als sch\u00e4dlich f\u00fcr das Konstrukt \u201eVolksk\u00f6rper\u201c angesehen wurden, sollten sich nicht fortpflanzen: Alkoholiker:innen, Straff\u00e4llige, Homosexuelle oder politische Gegner:innen wurden ebenso zwangssterilisiert. Teilweise wurde die Operation auch zur Bedingung f\u00fcr die Entlassung aus einer psychiatrischen Anstalt gemacht. Die Opfer stammten unter anderem auch aus Waisenh\u00e4usern.<\/p>\n\n\n\n<p>Amts\u00e4rzt:innen und Anstaltsleiter:innen konnten die Zwangssterilisation anweisen, die durch Operationen oder Strahlenbehandlungen durchgef\u00fchrt wurde. Da alle \u00c4rzt:innen dazu verpflichtet waren, jeden Verdacht auf Erbkrankheiten beim Gesundheitsamt zu melden, wurden z.B. Menschen aus der Arbeiterschicht h\u00e4ufig schon auf Grundlage eines Arztbesuchs zur Sterilisation verurteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist zudem mindestens <em>ein<\/em> Fall der Ausstellung eines gef\u00e4lschten Todesscheins in den St\u00e4dtischen Kliniken im April 1933 bekannt: Ein Arzt gab hier \u201eHerzschw\u00e4che\u201c als Todesursache f\u00fcr einen verstorbenen Juden an, obwohl dieser deutliche Spuren von Misshandlungen durch die SA aufzeigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt wurden mindestens 400.000 Menschen Opfer der Zwangssterilisation im NS. Zudem f\u00fchrten die medizinischen Eingriffe bei mindestens 6.000 Frauen und 600 M\u00e4nnern zum Tod. Lange Zeit wurden Opfer der Zwangssterilisation und \u201eEuthanasie\u201c nicht rechtm\u00e4\u00dfig als NS-Opfer anerkannt. Sie konnten 2011 erstmals einen Antrag auf monatliche Entsch\u00e4digungszahlungen von 291\u20ac stellen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Audioerkl\u00e4rung zur Stadtrundgangsstation &#8222;St\u00e4dtische Kliniken&#8220;:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"http:\/\/ki-wi.website\/stadtrundgang\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/11\/4._Stadtische_Kliniken_final.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/wiesbaden\/wiesbaden-die-vorstufe-der-euthanasie,1472860,27177432.html\">http:\/\/www.fr-online.de\/wiesbaden\/wiesbaden-die-vorstufe-der-euthanasie,1472860,27177432.html<\/a>, abgerufen am 17.07.2016.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWiesbaden, St\u00e4dtisches Krankenhaus\u201c, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen. <a href=\"http:\/\/www.lagis-hessen.de\/de\/subjects\/idrec\/sn\/nstopo\/id\/2080\">http:\/\/www.lagis-hessen.de\/de\/subjects\/idrec\/sn\/nstopo\/id\/2080<\/a>, abgerufen am 17.07.2016.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.euthanasiegeschaedigte-zwangssterilisierte.de\/\">http:\/\/www.euthanasiegeschaedigte-zwangssterilisierte.de\/<\/a>, abgerufen am 17.07.2016.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch die St\u00e4dtischen Kliniken in der Schwalbacher Stra\u00dfe waren w\u00e4hrend der NS-Zeit Teil der Durchf\u00fchrung der sogenannten \u201eRassehygiene\u201c. 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