“Judenhaus” – Hermannstr. 26

Dieses zunächst unscheinbare Hinterhaus war eines von 42 so genannten „Judenhäusern“ in Wiesbaden. Dabei handelte es sich um Immobilien, welche jüdischstämmigen Besitzer*innen durch Enteignung genommen wurden. Anschließend wurden von den Nationalsozialisten als Juden Verfolgte in diese Häuser zwangsumgesiedelt. Sie lebten in diesen Häusern unter engsten Bedingungen bis zu ihrer Deportation. Der Zweck solcher Häuser war es, die Kontrolle über die jüdischen Einwohner*innen zu erleichtern und somit andernorts Wohnraum für Nichtjuden zu schaffen.

Die rechtliche Grundlage hierfür wurde 1939 mit dem Gesetz über die „Mietverhältnisse mit Juden“ geschaffen. Die räumliche Ballung ermöglichte ein hohes Maß von Überwachung durch die Gestapo und Repression, so zum Beispiel Ausgehverbote und das Verbot von Radios.

In diesem bestimmten Haus lebte Gerhard Schmitt-Rink (geb. 1926), der auch in seiner Autobiografie aus dem Leben in der Hermannstr. 26 berichtet. Seine Mutter war in der Kommunistischen Partei und verliebte sich in einen jüdischen Kommunisten, Gerhards Vater. Die beiden trennten sich einige Jahre später und mit ihrem neuen Mann und ihrem Sohn zog sie 1934 in das Haus in der Hermannstraße. Gerhard Schmitt-Rink erzählt, dass er selbst von der NS-Propaganda beeinflusst wurde und zwischenzeitlich an ein „kapitalistisches Weltjudentum“ glaubte. Hier intervenierte die Mutter und zwang ihren Sohn, die Nachrichten der BBC zu hören. Die Familie wurde 1942 deportiert und nur ein Onkel kehrte nach Wiesbaden zurück.

Quellen:

  • Honsack, Daniel. „Versuch, das Unbegreifliche begreifbar zu machen“. Allgemeine Zeitung, 6. März 2009. zotero://attachment/78/.
  • Ulrich, Mirijam. „Das Haus in der Hermannstraße 26“, 29. Oktober 2008. http://www.fr-online.de/wiesbaden/das-haus-in-der-hermannstrasse-26,1472860,3230034.html.


Nächste Station

Schwalbacher Straße 72-74